Neubau Landratsamt Esslingen
Der Neubau des Landratsamtes präsentiert sich als hochfunktionales Verwaltungsgebäude, das mit insgesamt 675 Arbeitsplätzen, 45 Beratungs- und Besprechungsräumen, sowie vielfältigen Funktionsräumen ein breites Spektrum öffentlicher und interner Arbeitsprozesse ermöglicht.
Das Landratsamt Esslingen fügt sich präzise in ein außergewöhnlich vielfältiges Umfeld ein: Merkelpark, Neckarufer und Hammerkanal prägen den Ort und bilden die landschaftliche Kulisse in die sich der Neubau einbettet. Mit seiner gestaffelten Figur begleitet der Neubau das Neckarufer und reagiert auf die Topografie des Ortes. Die Erdgeschosszone öffnet sich auf der Süd-West-Seite großzügig zum Wasser, wodurch zentrale Funktionen des Landratsamtes bereits von der Neckarseite und der daneben verlaufenden Bundesstraße aus sichtbar werden.
ProjektNeubau Landratsamt Esslingen,
StandortPulverwiesen 11, 73728 Esslingen
BauherrLandkreis Esslingen
StatusFertiggestellt 2025
BGF34.262 m² | BRI104.461 m³ |
Leistungsphasen1-5 | GeneralplanungBFK plan |
Bilder© David Matthiessen
DGNB GoldDas angrenzende bestehende
LRA-Hochhaus wurde stimmig in das neue Ensemble eingebunden. Die Staffelgeschosse des Neubaus und die gezielte Fuge zum Bestandsbau formen einen harmonischen Dreiklang, der den Altbau nicht isoliert, sondern ihn selbstverständlich Teil des neuen Gesamtbildes werden lässt.
Aus der Zufahrtsrichtung ergibt sich eine klare Blick- und Wegebeziehungen: Ein großzügig gestalteter Vorplatz führt intuitiv zum Haupteingang, der sich offen zum Park orientiert. Zugleich ist die Verkehrsführung effizient gelöst: der motorisierte Verkehr wird frühzeitig in die Tiefgarage abgeleitet, während die integrierte Kindertagesstätte über eine eigene Zufahrt verfügt.
Architektur
Für den Neubau wurde auf Basis der städtebaulichen Rahmenbedingungen die Form einer liegenden Acht gewählt. Diese besondere Gebäudestruktur bildet nicht nur eine charakteristische Silhouette, sondern schafft zugleich ein effizientes, intuitiv verständliches Erschließungssystem. Im Schnittpunkt der beiden Gebäudeschleifen liegt die zentrale Erschließung: ein räumlicher Knotenpunkt, an dem sämtliche Wege zusammenlaufen und an dem die interne Organisation klar ablesbar wird. Die unterschiedlichen Arbeitsplatzbereiche profitieren von dieser Gebäudetypologie: Der überwiegende Teil der Büros orientiert sich nach außen, mit direktem Blick auf den angrenzenden Park oder zum Neckar. Dieser starke Landschaftsbezug schafft helle, freundliche Räume mit hoher Aufenthaltsqualität. Ergänzend öffnen sich großzügig dimensionierte Innenhöfe zur Mitte der beiden Gebäudeschleifen. Diese ermöglichen Ausblicke auf die begrünte Dachflächen, die den Innenraum zusätzlich aufwerten.
Die architektonische Struktur des Gebäudes wird durch ein konsequent umgesetztes Drei-Zonen-Prinzip definiert. Das zentrale zweigeschossige Foyer bildet die öffentlich zugängliche Zone, die als durchgängiges räumliches Gelenk fungiert. Die halböffentliche Zone der Bürogeschosse dient der Begegnung von internen und externen Nutzern und umfasst Beratungs- und Besprechungsbereiche. Die dritte Zone ist ausschließlich für Mitarbeitende zugänglich und umfasst die internen Bürobereiche
Untergeschosse
Im zweiten Untergeschoss befindet sich eine Tiefgarage mit 176 Stellplätzen für Mitarbeitende sowie die technische Gebäudeinfrastruktur. Das erste Untergeschoss nimmt zusätzlich weitere 41 Stellplätze, Haustechnikbereiche und Lagerflächen auf. Mit einer Registratur, die 13.000 laufende Meter Aktenregale fasst, wird ein hochfunktionaler Archivbereich bereitgestellt, der den Anforderungen einer großen Verwaltung gerecht wird.
Erdgeschoss
Das Erdgeschoss bildet das kommunikative Zentrum des Gebäudes. Ein zweigeschossiges, öffentlich zugängliches Foyer mit Infothek empfängt Besucherinnen und Besucher. Eine raumprägende Licht- und Wandinstallation des international renommierten Künstlers Tobias Rehberger setzt einen markanten Akzent und ist in den Abendstunden mit farbkräftiger Typografie auch von Neckarseite und Bundesstraße aus sichtbar. Der Verbindungssteg im 1. Obergeschoss des Foyers verläuft entlang der Neckarfassade und ist über eine offene Treppe erreichbar. Dadurch wird im öffentlichen Bereich die Beziehung zum Neckar erlebbar. Abgehend von dem Foyer gruppieren sich die publikumsintensiven Bereiche: die Kfz-Zulassungsstelle, die Poststelle und die Hausdruckerei, sowie die Kantine mit Küchenbereich. Ein begrünter Innenhof mit Sitzmöglichkeiten erweitert den Aufenthaltsbereich der Kantine. Großzügig ausgelegte Flurbereiche führen in den politischen Bereich mit großem und kleinem Sitzungssaal. Beide Säle gruppieren sich um einen gemeinsamen Vorbereich – die „Neckarlounge“ mit eigener Außenloggia. Dieser Vorbereich kann in Sitzungspausen und für Veranstaltungen genutzt werden. Ergänzend dazu lässt sich der große Sitzungssaal über bewegliche Wände flexibel öffnen und so für unterschiedliche Nutzungen bespielen. Der kleine Sitzunsgsaal mit Blick auf den Neckar verfügt über eine kreisförmige Bestuhlung und großformatigen LED-Screens für Konferenzen. Ebenfalls im Erdgeschoss verorte ist eine Kita für 30 Kinder. Sie verfügt über einen eigenen Zugang im Außenbereich, und ist mit einer Lärmschutzwand gegenüber der B 10 abgeschirmt.
1. Obergeschoss
Im 1. Obergeschoss führt ein über Treppenhaus und Aufzüge erreichbares, offenes Foyer mit Wartebereich in die halböffentliche Zone. Hier befinden sich Wartebereiche, Beratungsräume und Besucher-Sanitärbereiche. Die anschließenden Arbeitsbereiche umfassen Großraum-, Einzel- und Doppelbüros, ergänzt durch Teeküchen, Mitarbeiter-WCs und informelle Kommunikationszonen. Außerdem im 1. Obergeschoss verortet ist der Zentrale Besprechungsbereich mit Besprechungsräumen unterschiedlicher Größe für bis zu 40 Personen. Dieser Bereich kann, wann immer nötig, schnell in ein Katastrophenschutzzentrum umgerüstet werden. Schulungsräume im 1. Obergeschoss für die hausinterne Verwaltungsschule erweitern das Angebot um einen spezialisierten Bildungsbereich.
Regelgeschosse
Die Geschosse zwei bis vier sind als Regelgeschosse ausgeführt und organisieren die unterschiedlichen Dezernate des Landratsamtes. Die Riegelstruktur mit durchgängigen Büro- und Mittelzonen erlaubt eine äußerst flexible Anordnung unterschiedlicher Büro- und Besprechungsräume. Die Endlosfigur der liegenden Acht bietet Flexibilität in der Flächenbelegung und ermöglicht unterschiedliche Arbeitsplatzkonfigurationen. In den Mittelzonen sind offene Module mit Sitzgelegenheiten, Coffeepoints, Schließfächern und technischen Einrichtungen wie Druckerstationen angeordnet.
Im 4. Obergeschoss sind die Büro- und Besprechungsräumer des Landrats und das zugehörige Sekretariat, räumlich klar und repräsentativ in das Gesamtsystem eingebunden.
Fassade
Der Neubau definiert seine architektonische Identität maßgeblich über eine hochwertige, eloxierte Elementfassade, die auf einem konsequent durchgehaltenen Grundraster von 1,30 bzw. 2,60 Metern basiert. Vertikale, vorgesetzte Lisenen prägen das Erscheinungsbild und verleihen dem Baukörper eine Tiefenwirkung. Diese rhythmische Gliederung erzeugt ein ruhiges, zugleich markantes Fassadenbild.
Gezielte Akzente setzen Bereiche, an denen die Fassadentypologie bewusst durchbrochen wird. Über dem Haupteingang sowie an der gegenüberliegenden Neckarseite verzichtet die Fassade auf Lisenen und öffnet sich als flächige Glasfassade. Dadurch treten Eingang, Foyer und die architektonische Fuge der Baukörper präzise hervor und markieren die öffentlichen Schnittstellen des Hauses. Auch der politische Bereich innerhalb des Gebäudes erhält durch Einschnitte in der Kubatur eine besondere Betonung – insbesondere durch die Neckarloggia, die den politischen Bereich räumlich nach außen verlängert. Die Farbpalette der Fassade ist in warmen Grautönen gehalten, die Lisenen und Blechflächen greifen fein abgestimmte Nuancen desselben Spektrums auf. An der Süd- und Südostseite des Gebäudes sind an den horizontalen Bänder der Elementfassade Photovoltaikelemente integriert. Bereiche mit geringerem Belichtungsbedarf – etwa Nebentreppenhäuser – sind teilweise mit geschlossenen Elementen ausgestattet, die PV-Module oder Glaspaneele aufnehmen. Der Glasanteil der Gesamtfassade bleibt bewusst unter 50 Prozent.
Energieversorgung
Der Neubau verfolgt ein fortschrittliches Energiekonzept, das aktiv zur Reduzierung des CO₂-Ausstoßes beiträgt. Insgesamt kommen Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von rund 450 kWp (Fassade 75 kWp, Dach 375 kWp) zum Einsatz. Ergänzt wird dies durch eine Glas-in-Glas-Photovoltaikanlage als Überdachung des Kita-Außenbereichs mit zusätzlich 16,5 kWp. Ein Batteriespeicher mit 60 kWh erhöht den Eigenverbrauchsanteil, der bei 100 Prozent liegt. Jährlich werden so etwa 174.358 Kilogramm CO₂ eingespart; rund 20 Prozent des Eigenbedarfs des Gebäudes werden durch die PV-Anlagen gedeckt. Eine weitere zentrale Säule bildet die über Neckarwasser gespeiste Wärmepumpe, die das Gebäude mithilfe Deckensegel gleichermaßen heizt wie kühlt. Großflächige Dachflächenbegrünungen verbessern das Mikroklima des Gebäudes. Durch diese Bauweise erfüllt das Gebäude den anspruchsvollen Standard eines KfW-Effizienzhauses 40, sowie die Zertifikate DGNB Gold und DGNB nachhaltige Baustelle.














